Mit ihr auf Reisen gehen

Elisa Shua Dusapin ist eine junge Frau, die zwischen verschiedenen Kulturen lebt. Als Autorin nimmt sie uns mit auf Reisen.
(Foto: Kurt Schnidrig)

Eine Begegnung mit Elisa Shua Dusapin am Literaturfestival in Leukerbad. Sie ist jung, sprudelt vor Lebensfreude und sie ist multikulturell: In Frankreich wurde sie geboren, in der Schweiz ist sie aufgewachsen und gegenwärtig pendelt sie zwischen Südkorea und Japan. Schon als Kind kam sie mit ihrer südkoreanischen Mutter in die Schweiz, heute lebt sie in Porrentruy im Jura. Am Anfang sei es nicht leicht gewesen sich im ländlichen Jura zu integrieren, die Jurassier hätten ihr misstraut, gesteht sie. Doch mit ihrem ersten Roman „Ein Winter in Sokcho“ sei eine Wende eingeläutet worden.

Ihr Roman „Ein Winter in Sokcho“ brachte Elisa Dusapin den Statuts einer Kulturbotschafterin für den Kanton Jura ein. Mit dem literarischen Erfolg machte sie ihren Wahlkanton stolz, denn immerhin fühlt sich der Jura als ein Kanton, der in der literarischen Tradition grosser Schriftsteller wie Alexandre Voisard und Bernard Comment steht. Sokcho ist ein Badeort in Südkoreas Nordosten. Im Winter wirkt Sokcho wie ausgestorben und es herrscht ein raues Klima. Als ein Gegensatz zum rauen Klima entwickelt sich in Lisa Dusapins Roman eine zerbrechliche Beziehung zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen. Ein Liebespaar lebt exemplarisch dieses Leben zwischen den Kulturen. Die junge Tochter einer südkoreanischen Mutter triff auf einen französischen Comic-Autor, der nach Inspiration sucht. Auch als Autorin ist Dusapin der fernöstlichen Kultur gegenüber offen. Sie pendelt zwischen Genf, dem Jura und Südkorea.

Beziehungen über Kulturen hinweg. In ihren Romanen versucht Elisa Dusapin, die verschiedenen „Schichten“, die sie in sich spürt, zu verbinden und zu vereinen. Ihr nüchterner Stil basiert auf einer feinen Beobachtung menschlicher Beziehungen, denen westliche und östliche Kulturen zugrunde liegen, die manchmal auch zu Spannungen führen können. Doch mit jedem Gespräch, mit jedem Spaziergang durch das winterliche Nirgendwo, kommen sich ihre Protagonisten näher. Ihre Mutter wuchs im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, Appenzell Ausserroden, auf. Deren Eltern führten damals ein koreanisches Waisenhaus. Es war üblich, dass jedes Haus einer Nationalität gewidmet war.

Ein Leben zwischen den Kulturen. Elisa Shua Dusapin kämpft gegen die Widerstände, die ihr fremde Kulturen entgegensetzen. Ihr Inneres erscheint in ihren Werken „geschichtet“, so dass ihr Innenleben auch für sie selbst nur schwer erreichbar bleibt. Das Schreiben kann mithelfen, die geschichtete Persönlichkeit zu verbinden. „Ich möchte mich gerne mit einem Teil von mir wieder verbinden, den ich kennen muss“, sagt sie.

Text und Foto: Kurt Schnidrig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.