Der starke Auftritt

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Wie präsentiert man einen guten Text? Michaela Wendt, die deutsche Stimme am Literaturfestival Leukerbad. (Foto: Kurt Schnidrig)

Einen guten Text auch gut vortragen, das beherrschen nur wenige Autoren. Herzklopfen, Angstschweiss und eine zittrige Stimme stellen sich bei einem Auftritt vor Publikum ein. Da bieten sich nur zwei Möglichkeiten an. Entweder den persönlichen Ausdruck stärken oder im Duo auftreten, also zusammen mit einer Sprecherin oder Vorleserin. Am Literaturfestival Leukerbad waren deutsche Stimmen sehr gefragt.

Michaela Wendt, die deutsche Stimme am Literaturfestival in Leukerbad, arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin, Vorleserin und Kommunikations-Trainerin. Eine gute Präsentation erfordert stimmliche, körperliche und sprachliche Kompetenzen. Michaela Wendt ist in Mexico Stadt geboren und aufgewachsen in Deutschland. Nach einem Schauspielstudium nahm sie Engagements wahr an verschiedenen Bühnen in Deutschland und in der Schweiz. Ihr letztes festes Engagement hatte sie am Stadttheater Bern. Am Literaturfestival lieh sie ihre deutsche Stimme der amerikanischen Star-Autorin Nell Zink, der Russin Maria Stepanova, der Italienerin Francesca Melandri und der Schweizerin Antoinette Rychner.

Einen Text im Duo präsentieren, das war am Literaturfestival in Leukerbad die Regel. Die zweite Person unterstützte die Autorin entweder als Moderatorin, als deutsche Stimme oder als Übersetzerin. Als „Grenzgänger zwischen den Kulturen“ sind insbesondere die Übersetzer wichtige Vermittler zwischen Sprachen und Kulturen. Das Entschlüsseln und die sprachlich-stilistische Umsetzung eines Werkes in die deutsche Sprache – das sind echte Herausforderungen, die ein Autor allein oft nicht zu bewältigen imstande ist.

Der Internationale Literaturpreis trägt diesem Umstand Rechnung. Er belohnt die Arbeit von Autor und Übersetzer gleichermassen. Es sei denn, ein Autor beharre konsequent auf seiner authentischen Performance. So wie dies Friedrich Dürrenmatt seinerzeit praktizierte. Sein mündlicher Vortrag war stark eingefärbt vom Berner Dialekt. Bei Vorträgen in Deutschland auf sein allzu schweizerisches Hochdeutsch hingewiesen, pflegte er selbstbewusst zu antworten: „Ich kann nicht höher sprechen!“

Text und Foto: Kurt Schnidrig

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