Orientalischer Basar

Durch den Basar von Katar schlendern. Erstaunliches fällt ins Auge, Prächtiges, Üppiges. Kleider aus glänzenden Seiden, geschmückt mit arabischen Ornamenten, mit Arabesken. In diesen Kleidern verwandeln sich Frauen in kostbar geschmückte Sultaninen, so wie sie der Schriftsteller Marcel Proust in seinem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beschrieb. Verschwenderisch mit Strass überladene Sandaletten versprühen Funken. Das extravagant Geschmückte und Verzierte ist angesagt: exotische Blumenmuster, sandige und rosige Farbtöne, glitzernde Pailletten und Bänder. Dazu Federn und Schleifen, und vor allem: grosse Klunker. Ein neues goldenes Zeitalter im theatralisch barocken Stil scheint angebrochen zu sein.

Die Destinationen im Morgenland wecken unsere Sehnsüchte nach dem Schwelgerischen wieder. Da sind Duftöle und Duftkerzen in berauschender Auswahl, sie entführen uns in tausendundeine Nacht. Nur schon ihre Namen wecken exotisch-erotische Assoziationen. Sie heissen „Weisse Lilie“ oder „Grüne Feige“. Oja, man erliegt diesem Charme orientalischer Opulenz.

Emile Zola hat gegen Ende des 19. Jahrhundert den orientalischen Basar beschrieben als ein riesiges Kaufhaus, in dem frenetisch um das Goldene Kalb getanzt wird. Den Basar hat er als eine riesige Kathedrale des Konsums gesehen, als ein Paradies für Frauen im Rausch des Begehrens. Heute allerdings ist dieses Paradies in die Intimität der exotischen Boutiquen abgewandert.

Inmitten dieser opulenten Verschwendung fällt mir Friedrich Nietzsche ein. Er erklärte die Damenmode zum wilden orientalischen Mischmasch. Darin sei der ganze Erdkreis zusammengewürfelt, um das Weibliche in wirkungsvollem Schmuck zu inszenieren.

In den Ferien durch einen orientalischen Basar schlendern. Den abendländischen Minimalismus vergessen. In der bei uns um sich greifenden Verarmung der Fantasie ist die orientalische Opulenz ein tröstliches Gegenmittel.

Zum Bild: Durch den Basar von Katar schlendern. Foto: Schnidrig.

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